... und dann Reporterin

Schon seit meiner Kindheit wollte ich beruflich etwas mit Schreiben machen, und so ist es auch gekommen. Hier will ich Einblicke in dieses Thema geben und erzählen, wie es dazu kam, eine Reporterin zu sein. Im Grunde war es trotz des Kindheitswunsches letztlich einem Zufall geschuldet.

Freie Journalistin wollte ich, als ich im Jahr 2000 einen Job suchte, anfangs eigentlich gar nicht werden. Ich war als Mutter weitgehend zu Hause, jobbte nur ein bisschen im heimischen Mütter- und Familienzentrum, wo ich Kleinkindergruppen leitete. Seit mein Sohn in den Kindergarten ging und bei meinen Gruppen nicht mehr mit von der Partie war, machte mir dieser Job aber keinen rechten Spaß mehr. Ich beschloss, mir etwas anderes zu suchen, wovon ich den Vorstand des Vereins informierte. Das bereute ich recht schnell, da ich durch meine voreilige Aussage unter Druck geriet. Denn anders als in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn bekam ich auf meine Bewerbungen nicht mehr automatisch eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Zu erkennen, dass ich als fast verheiratete 40-jährige mit einem kleinen Kind nicht mehr so gefragt war wie als jüngere, noch alleinstehende Frau, schockte mich. Ganz klar – die Arbeitgeber fragten sich, ob diese Mama sich nicht permanent krankmeldet, weil der Nachwuchs Schnupfen oder Fieber hat. Auf Verwandtschaft, die mir in solchen Fällen helfen würde, konnte ich nicht verweisen, da ich mit meinem Sohn und meinem damaligen Mann weitab der übrigen Familie allein in Bad Nauheim lebte. Ich fühlte mich diskriminiert. Lediglich eine Ärztin aus Friedberg, bei der ich mich für die Anmeldung beworben hatte, rief an und fragte, wie ich mir die Berufstätigkeit mit Kind vorstelle. Aus welchem Grund auch immer kamen wir nicht zusammen, weshalb ich eine Bewerbung für eine freie Mitarbeiterschaft an die heimische Zeitung schickte. Es war eher eine Verzweiflungstat, denn freie Mitarbeiterin wollte ich nicht werden. Vielmehr suchte ich eine feste Stelle mit ordentlicher Bezahlung und Sozialversicherung. Die Zeitung reagierte prompt, das Telefon klingelte nur zwei Tage später.