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Margit Seibel: Abenteuern auf der Spur

Margit Seibel (Foto: pv)
Margit Seibel (Foto: pv)

Margit Seibel: "Ich möchte spannend unterhalten"

Im Juni erschien mit "Ritter Cunrads Schatz" der zweite Band um das Forscherteam von Margit Seibel. Im Interview mit "Lesen in Bad Nauheim" erzählt die Autorin aus Breidenbach über das Schreiben von Kinderbüchern, ihre Ziele und die Entstehungsprozesse. 

 

Wie entstand die Idee, Kinderbücher zu schreiben?

Eigentlich wollte ich schon als  Kind spannende Geschichten schreiben, in denen Kinder Abenteuer erleben und sich bewähren müssen. Mich selbst haben solche Geschichten schon früh begeistert. Sie tun es noch heute.

Als mein Enkel Samuel acht Jahre alt wurde, dachte ich, dass es jetzt Zeit für das Kinderbuch sei, das ich schon so lange schreiben wollte. Wenn ich mich recht entsinne, hat er damals drei Kapitel meiner Buchidee bekommen, mehr sollten folgen. Aber, dann war erst einmal wieder "Ende Gelände". Leider habe ich es erst sechs Jahre später geschafft, ernsthaft anzufangen.

 

Die vier Kinder stehen für Freiheit und Abenteuer. Sie sind aber nicht zweidimensional, wie es Serienhelden von Spannungsliteratur im einen oder anderen Fall schon mal sind. Wie ist es Dir gelungen, diese Charaktere auszuarbeiten?

Margit Seibel: Am Anfang wollte ich jedem Enkel eine der Figuren auf den Leib schreiben. Aber schon zu Beginn meines ersten Buches "Das Geheimnis der Großen Steine" entwickelten die vier Protagonisten ein Eigenleben. Sie zeigten sich einfach anders, als ich es für sie geplant hatte.

2016 belegte ich einen Schreibkurs beim Autor Rainer Wekwerth. Dabei ging es unter anderem auch um Figurenentwicklung. Simon mit all seinen Freunden, seiner Familie, sein Wohnort und Onkel Fred erschienen plötzlich auf der Bildfläche. Ich konnte sie sehen und wusste, welche Geschichte und welche Eigenheiten sie hatten, als hätten sie schon immer in meiner Fantasie existiert. Ich habe kaum darüber nachgedacht, nur noch Kleinigkeiten ergänzt.

 

Hattest Du als Kind auch so unterhaltsame Abenteuer beziehungsweise welcher Forschungsdrang trieb Dich an?

Margit Seibel: Ich war als Kind sehr wissbegierig. Abgesehen davon, dass ich Outdoor-Spiele liebte, hatte ich meine Nase ständig in Büchern. Damals - in den 60ern - gab es ja noch keine Reizüberflutung durch Medien und das Internet. Ganz im Gegenteil. Im 300-Seelen-Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es nur eine winzige Gemeindebibliothek. Also las ich alles, was dort stand, zumeist Literatur für  Erwachsene. Ich erinnere mich noch an mehrere Ganghofer-Romane, die ich schrecklich fand, aber dennoch las. 

Außerdem ist mir bis heute ein Reisebericht in Erinnerung: "Romy fährt nach Afrika." Ein Buch von und über Romy Schurhammer. Die Reise einer jungen Frau, angehende Journalistin, die allein mit ihrem VW-Bus quer durch Afrika fährt, 20 000 Kilometer. Das begeisterte mich dermaßen, dass ich mir vornahm, Reiseschriftstellerin zu werden. Wenn es Forscherdrang gab, dann den, die Welt kennen zu lernen. Fremde Länder, fremde Menschen, fremde Kulturen. Das fand ich superspannend.

 

Was möchtest Du Kindern mit Deinen Büchern vermitteln?

Margit Seibel: In erster Linie möchte ich spannend unterhalten. Meine bisherigen Bücher haben historische Themen als Hintergrund, die ich in meinem eigenen geografischen Umfeld ansiedele. So werden diese Themen anschaulicher und lebendiger, finde ich. Daneben zeigen die Geschichten, dass Mut und Freundschaft wichtig sind. Ein Buch bietet der Fantasie eines Kindes ein Betätigungsfeld, ohne vorgegebene Bilder. Lesen bedeutet, in sich einen ganz eigenen Raum zu schaffen, in dem trotz der spannenden Handlung des Buches, in das ich eintauchen kann, Ruhe herrscht. Rückzug! Auftanken!  Lesen hat für mich als Kind immer Genuss und Erholung bedeutet. Es gibt heute einiges an Literatur über die neurobiologische Bedeutung des Lesens für Kinder.

 

Du hast während der Pandemie geschrieben, diese Zeit aber ausgelassen. Wieso? Und wie wäre es Deinen drei Helden und der Heldin während der Pandemie ergangen?

Margit Seibel: Ehrlich gesagt, hing mir dasThema gehörig zum Hals heraus. In einer Zeit, in der Kinder und Jugendlichen am meisten unter den Einschränkungen zu leiden hatten, diese Enge und Paranoia auch noch in ein Kinderbuch zu tragen, schien mir nicht gesund. Außerdem, wer will schon lesen, was er/sie täglich sowieso erlebt?

Ich vermute, dass meinen vier Helden diese Zeit ziemlich gestunken hätte. Wahrscheinlich wären sie im Wald um Simons und Emmas Haus herum verschwunden. Auf den Spuren neuer Abenteuer.

 

Die vier Kinder haben relativ viel Freiheit, ihre Eltern lassen sie ziehen, um Abenteuer zu erleben. Was machen Kinder, deren Eltern überbehütend sind? Was können sie tun, um sich Freiräume zu erkämpfen?

Margit Seibel: Keine Ahnung! Solche Kinder tun mir leid, denn sie werden in ihrer Entwicklungsfähigkeit gehemmt. Lesen wäre in jedem Fall eine Kompensationsmöglichkeit.

 

Hast Du schon als Kind geschrieben und wenn Ja, was?

Margit Seibel: Ja, das muss ich zugeben. Sobald ich lesen konnte, begann auch das Schreiben. Damals gab es eine Kinderseite in unserem Lokalblatt. Dort habe ich kleine Geschichten eingesandt. Meist handelten sie von Tieren oder Pflanzen. Als ich zehn war, habe ich begonnen, eine längere Geschichte zu schreiben, die im Wilden Westen spielte. Mit einer weiblichen Heldin. Es war ja die Zeit der Karl-May-Filme. (Eine weibliche Heldin war rückblickend keine schlechte Idee.) Leider ist die Geschichte nie ganz fertig geworden und im Laufe der Zeit verloren gegangen. Gedichte sprachen mich ebenfalls an. Auch daran habe ich mich versucht.

 

Wie läuft es bei Dir, wenn Du schreibst? Überlegst Du Dir zuerst ein Gerüst oder legst Du einfach los?

Margit Seibel: Ich muss wissen, was ich schreiben will, bevor ich anfange, sonst komme ich nicht voran. Einfach drauflos schreiben, klappt bei mir nur, wenn ich mich an einer vagen Idee versuche. Dann entstehen manchmal 30 Seiten, die ich als Basis für eine Geschichte aufhebe, um die ich mich irgendwann einmal kümmern will. Bei den Forscherteam-Büchern arbeite ich die Geschichten sehr ausführlich aus. Zum Teil bis in einzelne Kapitel.

 

Wo erhält man Deine Bücher?

Margit Seibel: In allen Buchhandlungen. Den ersten Band "Das Geheimnis der Großen Steine" kann man auch direkt im Online-Shop des Hottenstein Buchverlags bestellen oder über Amazon beim Verlag.

"Ritter Cunrads Schatz" gibt es natürlich ebenfalls über den Buchhandel. Daneben auch über Amazon direkt und über andere Plattformen. Zu diesem Band ist auch ein e-book lieferbar.

 

Was steht als nächstes an?

Margit Seibel: Der dritte Band natürlich! Das Forscherteam ist schon unterwegs. Und wer den zweiten Band  gelesen hat, weiß auch schon, was die  Freunde als nächstes beschäftigen wird.

Mehr Infos zu Margit Seibel

Ritter Cunrads Schatz von Margit Seibel (Foto: Petra Ihm-Fahle)
Ritter Cunrads Schatz von Margit Seibel (Foto: Petra Ihm-Fahle)