Prolog

 

‚Junge Frau wird Opfer von Gewaltverbrechen

 

Den Beamten der Mordkommission bot sich ein Bild des Schreckens, als sie gestern in die Wohnung einer 26-Jährigen gerufen wurden. Ihr Lebensgefährte hatte die junge Frau kurz zuvor tot aufgefunden. Er verständigte umgehend die Polizei. Die Frau lag mit eingeschlagenem Schädel in einer Blutlache; das Mordwerkzeug, eine schwere Keramikstatue, befand sich neben ihr. Vom Täter fehlt bislang jede Spur. Es ist noch unklar, ob er dem Bekanntenkreis des Opfers zuzuordnen ist oder ob sie einer fremden Person die Tür öffnete.‘

 

Nachdenklich schaute ich auf die vergilbte Zeitung, die ich beim Renovieren unter der Tapete entdeckt hatte. Mein Gott, das war jetzt Jahre her! Vorbei, allerdings nicht vergessen ... Obwohl ich immer wieder versuchte, das alles zu verdrängen, wurde ich so häufig daran erinnert: an Kerstin Matthäus und all die anderen Leichen ... Jedes Mal bekam ich eine Gänsehaut dabei. Ich seufzte und wendete das Stück Papier unschlüssig in meinen Händen. Dann zerknüllte ich es und stopfte es in den Müllsack. Rasch warf ich einen Blick zu meiner Tochter Charlotte, die in einer Zimmerecke fröhlich spielte. Was, wenn jemand diese Geschichte irgendwann doch noch ans Licht des Tages zerrte? Was sollte ich ihr dann erzählen?

 

Ich ließ mich auf den Boden sinken, betrachtete das Muster der alten Tapete und begann, im Geiste die Worte zu formulieren ... 

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