NIKO GÖZÜPEKLI: Im Garten

In der Corona-Zeit fühlt sich Niko am wohlsten in seinem Garten.  Dort denkt er an seine Herkunftsstadt Istanbul, die er als Jugendlicher verließ, um nach Deutschland zu gehen. Hier ist eine kleine Impression aus seinem Buch "Wir haben ein Herz für Sie - Die Geschichte einer Transplantation", das bald erscheint.

 

"Damals war Istanbul ungewohnt leer, während heute fast 18 Millionen Menschen dort leben. Überall waren Gärten, in denen die Menschen frisch ernteten. Ich kann mich erinnern, wie es auf den Märkten frisches Gemüse und Obst gab, entsprechend den Jahreszeiten. Auch meine Großeltern waren Gärtner, sie hatten großen Gartenbesitz, züchteten den besten Romana-Salat von Istanbul, den 'Yedikule-Marul'-Salat, und verkauften ihn. Die Leute kamen bei Sonnenuntergang im Sommer in den Garten, holten den frisch geschnittenen Salat, aßen ihn gleich und tranken Tee. Daher habe ich es wahrscheinlich im Blut und deshalb übe ich heute noch das Hobby aus, in meinem Garten Gemüse zu pflanzen.

Ich mag die frische Luft, wo es keine Abgase gibt, die Umgebung, das Grün und die Natur. Dort beschäftige ich mich auch mit meiner Kanarienzucht, füttere die Vögel, beobachte das Aufwachsen der Jungen. Das Aufregendste sind für mich die Ausstellungen, die Wettbewerbe und der Züchtererfolg.

 

Unser Haus war am Rand des Orts mitten im Grünen; rundherum lagen die alten byzantinischen Festungen. Wir konnten mit der Familie picknicken und Verstecken spielen – und das Beste kam im Herbst, wenn wir aus Holzleisten und dünnem bunten Papier Drachen bauten und fliegen ließen ..."